Was, wenn ich mir Therapie nicht leisten kann?
Vorab: Gib nicht auf!
Es ist völlig verständlich, dass die Suche nach Hilfe besonders anstrengend wirkt, wenn Deine Kräfte ohnehin schon begrenzt sind. Aber: Du hast vielleicht mehr Möglichkeiten, als Du gerade siehst. Und Du bist nicht allein.
Dieser Beitrag soll Dich motivieren und Dir gleichzeitig einen Überblick geben, wo Du allenfalls noch andocken kannst. Also, los geht’s:
1. Hol Dir Unterstützung schon bei der Suche
Recherchieren, telefonieren, abklären. Das kann viel Energie kosten. Gerade, wenn Du schon belastet bist.
Frag deshalb ruhig Menschen denen Du vertraust, ob sie Dich dabei unterstützen. Du bist ja auf der Suche nach Unterstützung und es ist völlig in Ordnung, sie Dir jetzt schon zu holen!
2. Frag nach, was Deine Krankenkasse übernehmen kann
Was Deine Kasse übernimmt, findest Du am einfachsten heraus, wenn Du bei ihr anrufst und nachfragst.
Grundsätzlich zahlt die Grundversicherung Psychotherapie, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie anordnet. Aber dennoch, bei hoher Franchise können die ersten Kosten anfangs trotzdem hoch sein. Zusatzversicherungen zahlen vielleicht noch dazu.
Komplementärtherapien wie Kunsttherapie werden je nach Kasse & Modell von deiner Zusatzversicherung übernommen. Dann werden auch ohne Verordnung etwa 70% – 90 % der Kosten bis zu einem bestimmten Jahreslimit übernommen.
Das Schweizer Kassensystem ist komplex, also besser direkt bei Deiner Kasse nachhaken, damit Du genau weisst, was in Deinem Modell alles drin ist und welche Bedingungen für Dich gelten.
3. Sprich offen mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin
Es ist sehr verständlich, finanzielle Sorgen nicht sofort beim Arzt anzusprechen. Aber: Dein Arzt unterliegt der Schweigepflicht und kann Dich gezielt unterstützen. Etwa mit einer Anordnung oder Tipps zu günstigen Angeboten. Es könnte sich also lohnen.
4. Finde kostenlose Hilfe für Dein konkretes Thema
In der Suchtfachstelle Zürich beispielsweise sind die ersten drei Sitzungen kostenlos und danach einkommensabhängig.
Therapiekosten (und auch andere Kosten) im Rahmen von Opferhilfe können für Dich übernommen werden. Je nachdem auch die Kosten für eine Kunsttherapie! Die Kostenübernahme ist abhängig von diversen Faktoren. So oder so; bist Du Opfer einer Straftat, lass Dich bei einer Opferhilfestelle kostenlos beraten! Unbedingt auch dann, wenn Du etwas unsicher bist, ob das, was Dir passiert ist, eine Straftat ist.
Universitäten und Ausbildungsinstitute suchen teilweise Teilnehmende für zeitlich begrenzte Studien. Allenfalls gibt es ja eine zu Deinem Thema, die sich für Dich passend anfühlt. Oder Studierende suchen Fallklientel für ihre Abschlüsse. Frag direkt nach oder halte Ausschau bei Ausbildungsorten die Dich ansprechen oder zu Deinem Thema passen.
5. Frag oder halte Ausschau nach Sozialtarifen
Manche Therapeutinnen und Therapeuten vergeben einzelne Plätze zum Sozialtarif. Wenn Dich das interessiert, frage einfach direkt bei Therapeut:innen nach, zu denen Du gerne gehen würdest, ob solche Plätze verfügbar sind. Sie bieten das an, wenn es ihnen wichtig und möglich ist, Du musst also kein schlechtes Gewissen haben, wenn Du ein solches Angebot in Anspruch nimmst.
6. Prüfe finanzielle Hilfsmöglichkeiten
Sozialberatungen unterstützen Dich bei finanziellen & sozialen Themen. Gib Sozialberatung und Deine Region ein und Du findest online in der Regel gute Übersichten zu verschiedenen Angeboten.
Stiftungen & Sozialfonds übernehmen manchmal Therapiekosten bei finanziellen Notlagen. Und Beratungsstellen oder Sozialdienste helfen Dir beim Erstellen eines Antrags.
Auch Kirchen & Gemeinden bieten oft Unterstützung oder kostenlose Beratungen an, in der Regel auch ohne dass Du Mitglied bist.
7. Entdecke, was dein Arbeitsplatz anbietet
Viele Arbeitgebende oder Ausbildungsstätten bieten kostenlose Beratungen an. Schau in Unterlagen oder auf internen Plattformen nach, ob Du dazu Infos findest. Oder frage vertraulich bei einer Vertrauensperson nach.
Wenn Du unsicher bist, ob Du Dein Thema am Arbeitsplatz ansprechen willst, hör auf Dein Gefühl. Es ist völlig normal, da mehr bedenken zu haben. Manchmal kann ein Gespräch richtig hilfreich sein, manchmal ist es einfach nicht der richtige Ort. Schau, dass Du Dich sicher fühlst, und handle nur, wenn es für Dich passt.
Und wenn Du arbeitslos bist?
Arbeitslosigkeit kann emotional und finanziell belastend sein. Das RAV oder das Sozialamt bieten deshalb oft kostenlose, freiwillige psychologische und soziale Beratungen an. Die Unterstützung kann sich auf berufliche, finanzielle oder soziale Themen, aber eben auch auf psychische Belastungen beziehen.
8. Teste Hilfe, die leicht zugänglich ist
Sie sind nicht das gleiche wie Therapie, aber können natürlich dennoch sehr hilfreich und unterstützend sein. Manchmal passen sie vielleicht sogar besonders gut zu Deiner Situation. Das könnten beispielsweise folgende sein:
Seelsorge ist kostenlos, vertraulich, ohne viel Aufwand. Auch ohne Glaubensbezug oder Kirchenmitgliedschaft. Frag einfach in einer Kirche Deiner Region nach.
Selbsthilfegruppen gibt es zu so vielen Themen. Sie sind oft kostenlos oder sehr günstig und können auch unglaublich entlastend sein. In der Regel sind sie auch sehr gut online auffindbar.
143 – Die Dargebotene Hand ist 24h und 7 Tage die Woche am Telefon oder im Chat anonym erreichbar. Wie sich das anhören könnte, kannst Du Dir bei den Gesprächsbeispielen auf der Webseite anhören.
Das Team von Pro Mente Sana bietet kostenlose und vertrauliche Beratung zu Krisen, psychiatrischen Behandlungen, rechtlichen Fragen oder finanzieller Unterstützung. Telefonisch, schriftlich oder vor Ort in Zürich.
9. Nutze auch Dinge, die Dich über die Therapie hinaus stärken
Therapie kann viel bewirken. Aber Heilung und Wohlbefinden entstehen auch ausserhalb davon. Überleg dir: Was tut Dir gut? Gibt es Menschen, bei denen Du Dich geborgen fühlst? Orte, an denen Du durchatmen kannst? Welche kleinen Dinge im Alltag schenken Dir Ruhe oder Freude?
Inspiration zu allgemeinen kostenlosen Anegboten in Zürich findest Du zum Beispiel über zuerichunbezahlbar.ch
Und zum Schluss
Wie Du siehst, gibt es viele Wege, Unterstützung zu suchen. Und hier sind noch nicht alle aufgeführt. Überlege einfach: Welche Option fühlt sich für Dich im Moment am leichtesten an? Jeder kleine Schritt zählt. Selbst wenn er heute nur darin besteht, Dir vorzunehmen, einen ersten Schritt zu gehen. Und vergiss nicht: Du darfst Dir für jeden Deiner Schritte Hilfe holen! #Bliib drah!
Herzlich
Debi
PS: Hast Du Erfahrungen mit einem dieser Angebote oder kennst Du hilfreiche Angebote, die hier unbedingt noch rein sollten? Teile sie gerne mit uns über kontakt@crearas.ch